Sido - Blutzbrüdaz
Sido .01
Aus den grauen Plattenbauten des Märkischen Viertels in Berlin zu Deutschlands Entertainer #1, mit Herzblut, eisernem Willen und unerschütterlicher Liebe zur Musik. Die Geschichte von Sido ist oft erzählt worden. Von den Medien, die ihn hassten. Von den Fans, die ihn lieben. Und von Sido selbst, dem wohl wichtigsten deutschen Rapper der Gegenwart. Nun ist sie endlich auch in einem Film verewigt: "Blutzbrüdaz" von Top-Regisseur Özgür Yildirim ("Chico") kommt dieser Tage in die Kinos, und pünktlich zum Filmstart liegt auch der Soundtrack auf dem Gabentisch. "Die Mucke zum Film" ist dabei viel mehr als "die Mucke zum Film". Es ist ein brandneues Sido-Album!

"Blutzbrüdaz" erzählt die Geschichte der Kumpels Otis (Sido) und Eddy (B-Tight), die gemeinsam an der Verwirklichung ihres großes Traums arbeiten. "Ich werde Rap-Superstar, ich kehr’ der Gosse den Rücken / Bis auch den Lehrern nichts mehr bleibt, als meine Flossen drücken." Die Parallelen zum realen Lebenslauf der beiden Gold-Rapper sind unübersehbar. Ebenso die Charaktere, denen Otis und Eddy auf ihrem Weg vom Bordstein ins Rampenlicht begegnen: der halbseidene Plattenfirmen-Hai, der Szene-Veteran, der notorische Hustler von nebenan. Wer mit der Geschichte der beiden ehemaligen Aggroberliner vertraut ist, wird vieles und viele wieder erkennen. Viel mehr als die deutsche Version von "8 Mile" aber ist "Blutzbrüdaz" eine universelle Studie über Freundschaft, Ideale und Moral - fern von allen Klischees erzählt von Özgür Yildirim, der bereits mit seinem Kiez-Drama "Chico" die perfekte Balance aus Humor, Sozialkritik und Straßennähe fand.

Die Musik, die Sido für den Soundtrack zusammengestellt passt dazu wie die sprichwörtliche Faust auf die Fresse. Auf insgesamt fünf Tracks rappen Sido und B-Tight, hungrig wie in den glorreichen Anfangstagen ihrer Band Alles ist die Sekte - aber mit der Erfahrung und dem technischen Können von unzähligen Alben, Auftritten, Awards. Auch andere alte Weggefährten aus dem engeren Freundeskreis kommen zu Wort, darunter Tony D und Alpa Gun, der ebenfalls im Film zu sehen ist.

Den wohl beeindruckendsten Track aber liefert Sido ganz im Alleingang ab. "Geboren um frei zu sein" ist nicht nur die erste Single-Auskopplung aus "Blutzbrüdaz". Vor allem ist es ein Manifest Sidos einzigartiger Persönlichkeit. Eine Hymne auf die Freiheit und darüber, dass man beim Verfolgen seiner Ziele nie seine Ideale aus den Augen verlieren darf. Wie kein anderer Künstler der letzten zehn Jahre hatte Sido in seiner Karriere mit Vorverurteilung zu kämpfen; in schöner Regelmäßigkeit wurden gefühlt alle Probleme unserer Gesellschaft auf ihn projiziert und schließlich abgeladen. Das Gerede prallte scheinbar an ihm ab, erst an seiner Maske, dann an seiner Goldkette, später an der Gewissheit, etwas geschaffen zu haben, das so viel mehr wert ist als das geheuchelte Schulterklopfen von Journalisten und Politikern. In Wahrheit hat die Kritik ihn natürlich dennoch berührt. Aber er ist ihr stets auf seine Weise begegnet, geradlinig, unangepasst und mit der ihm eigenen tiefen Abscheu vor falschen Regeln und Autoritäten. "Geboren um frei zu sein" ist nun sein endgültiger Schritt aus dem Käfig, mehr Triumphflug als Triumphzug.

Passend dazu ist die musikalische Unterlage des Stücks. Erstmals überhaupt nämlich wurde für diesen Titel ein Sample von Ton, Steine, Scherben, der Band des großen Rio Reiser, zur Verwendung freigegeben. "Wir müssen hier raus" heißt das Original, 1972 erscheinen auf der legendären Doppel-LP "Keine Macht für Niemand". Der große Pop-Revoluzzer der siebziger und der vermeintliche Skandalrapper der nuller Jahre - das können nur komplett Unverständige für einen Widerspruch halten. Die Umstände und die Diktion mögen sich über die Jahre verändert haben, doch im Herzen sind Rio und Siggi Brüder im Geiste und "Wir müssen hier raus" der finale Ritterschlag, den Sido im Grunde schon längst nicht mehr nötig gehabt hätte. Dass Scherben-Gitarrist R.P.S. Lanrue für die Aufnahmen zu "Geboren um frei zu sein" sogar eigens seine Parts neu eingespielt hat, spricht da zusätzlich eine eigene Sprache. Ein tief bewegender Song und ein weiteres aufrührerisches Ausrufezeichen von einer der wichtigsten Stimmen unserer Generation.

Bemerkenswert an "Blutzbrüdaz" ist zudem, dass Sido seinen vielfach vergoldeten und gründlich versilberten Status als Rap-Ikone nicht nur nutzt, um sich ausgiebig selbst zu beweihräuchern. Vielmehr bietet er mit der Platte einigen der talentiertesten Rapper Deutschlands eine prominente Plattform. So zeigt er gemeinsam mit Ruhrpott-Rüpel Favorite Vater Staat den imaginären Mittelfinger ("Arbeitsamt"). An der Seite des Hamburgers Laas Unlimited gewährt er zu Trance-Flächen und Autotune-Effekt tiefe Einblicke in das Seelenleben eines geborenen MCs ("Das Leben ist ein Arschloch"). Mit Aachens "New Kid On The Block"  MoTrip steigt er tief in die Abgründe des Alltags ("Immer tiefer in den Dreck") - nur um schließlich mit Multitalent Damion Davis gen Sonne zu fliegen. Auch der Offenbacher Straßen-Champ Haftbefehl ist mit einem Track vertreten, ebenso US-Raplegende Erick Sermon (EPMD, Def Squad), einer von Sidos erklärten Privathelden.

Damit schließt sich der Kreis. Anders als so viele Soundtrack-Alben ist "Blutzbrüdaz - Die Mukke zum Film" keine willkürliche Ansammlung von Stücken und großen Namen, sondern die perfekte musikalische Umsetzung des Filmkonzepts. Ein einzigartiger Einblick in den Mikrokosmos des Menschen Paul Würdig und HipHop-Fan Sido. Und nicht zuletzt eine dicke Packung neuer Musik eines echten Ausnahmekünstlers.


Die Single "Geboren Um Frei Zu Sein": ab dem 25.11.2011
Das Album "Blutzbrüdaz - Die Mukke Zum Film": ab dem 02.12.2011

Der Film "Blutzbrüdaz": ab dem 29.12.2011- NUR IM KINO!
 

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